In Kürze und mit leichter Verspätung, das Wichtigste vom Tage. Ab jetzt immer unter Aufgelesen und in Zukunft (hin und wieder) auch pünktlich. Heute Gestern gab es Neuigkeiten aus dem Arbeitsalltags eines Klaus Allofs und damit auch von Baumi (Baumi, wie geht es dir, ich vermisse dich!). Wiese machte ungewöhnlich auf sich aufmerksam und die Truppe hat die Dienstreise nach Asien angetreten. Aus Zeitmangel ist dieser Eintraggleichzeitig der Vorbericht zum heutigen Rückspiel in Aktobe.

Gerüchteküche

Es besteht die Chance aus einer in meinen Augen guten Transferperiode (Eintrag vom 23. August) tatsächlich noch eine hervorragende zu machen. Gestern waren im Zusammenhang mit Werder erneut ein paar neue Namen zu hören. Um es kurz zu machen: Pavlyuchenko gehört für mich ins Reich der Fabeln.

John Arne Riise wäre für mich dagegen durchaus das Kaninchen für die Außenposition, das Allofs gerne noch aus dem Hut zaubern darf. Nicht nur aufgrund der Namensverwandtschaft. Sicherlich nicht ganz preiswert, aber vielleicht gerade noch erschwinglich. Im letzten Jahr wechselte er für etwa 5 Mio. Euro von Liberpool zum AS Rom und absolvierte dort 46 Spiele. Nun soll er laut italienischen Medienberichten bei entsprechendem Angebot die Freigabe erhalten. Ich spekuliere einfach mal wild drauf los, dass für die Roma ein entsprechendes Angebot bei etwa 6 bis 7 Millionen Euro liegen dürfte. Wer bietet mit?

Etwas konkreter gehandelt werden nach wie vor Fernando von Girondins Bordeaux, für den Werder ein Angebot in Höhe von 4,5 Mio Euro abgegeben hat. Die News ist aber schon kalter Kaffee vom Vortag. Auch nicht uninteressant, aber ich hoffe eigentlich, dass Jensen endlich wieder fit wird. Zu Bordeaux fällt mir ansonsten noch jemand Großartiges ein, aber der gehört gerade nicht hierher und baut jetzt Wein an.

Frisch hinzugeköchelt wurden heute morgen noch der defensive Mittelfeldbrasilianer Gilberto Silva (derzeit bei Panathinaikos) und Stürmer Bobo von Besiktas Istanbul. Letzterer angeblich im Tausch gegen Rosenberg plus einer Versilberung von 5 Mio Euro. Hm… hab ich schon erwähnt, dass ich am Liebsten Riise hätte? Baumi, mach da mal was klar!

Wiese und die leisten Töne

Beim Online-Angebot des Spiegel war gestern folgende Aussage von Tim Wiese zu lesen: „Es gehört als Sportler auch dazu, die Rolle der Nummer zwei oder Nummer drei zu akzeptieren, …“ Ungewohnte Töne unserer Nummer 1, die sonst gerne auch mal das Megafon zur Hand nimmt, um sich Gehör zu verschaffen. Er scheint es ernst zu meinen mit der Nationalmannschaft. Und das zu Recht. Für mich ist er momentan jedenfalls mindestens auf gleicher Höhe mit Neuer und Enke. Wer ist gleich noch in Stuttgart im Tor? Ok, ok, ich hör ja schon auf…

Gastspiel in Asien

Das Wichtigste zuerst: die Übertragung durch Werder.TV ist gesichert. Nachdem man sich gestern mit dem FK Aktobe bereits geeinigt hatte, konnten heute auch die technischen Fragen geklärt werden. Ich werde die Gelegenheit nutzen und fleißig den Spielverlauf zwitschern. Anpfiff ist um 16 Uhr, Aktobe ist uns 3 Stunden voraus.

Werder ist derweil gestern und nach fünf (!) Stunden Flug gut in Aktobe gelandet und wurde kurz nach der Ankunft auf der Pressekonferenz vom Gastgeber gleich mal als Weltklasse-Mannschaft tituliert. Dabei wurde Riise doch noch gar nicht verpflichtet. Das Kompliment hört man trotzdem gerne, der Eindruck des Hinspiels kann das allerdings nicht gewesen sein. Für heute hätte ich daher gerne auch ein wenig mehr Souveränität und ein bisschen weniger Karneval. Aber was das betrifft ich bin recht zuversichtlich und für das Erreichen der Gruppenphase sowieso.

Spannend zudem die Frage, wie viele Werder-Fans die wohl weiteste Reise in der Werder-Geschichte angetreten haben. Ganz unter sich werden die Kasachen jedenfalls in ihrem 13.500 Zuschauer fassenden Stadion jedenfalls nicht bleiben: acht Werderander begleiteten die Mannschaft bereits im Flugzeug, eine weitere grün-weiße Reisegesellschaft ist zudem seit Bekanntgabe der Auslosung einigen Tagen per Bahn unterwegs. Der Verbleib wird sich vermutlich erst bei Anpfiff endgültig klären lassen. Ich halte Augen offen und Daumen gedrückt. Näheres dazu und alles Weitere zum Spiel wie angekündigt heute nachmittag bei Twitter.


Schöner Spieltag, Aufwärtstrend klar erkennbar und die ersten 3 Punkte eingefahren. Da schreibt es sich doch gleich viel leichter und man darf nach einer gefühlten Ewigkeit sogar mal wieder einen Blick auf die Tabelle wagen. Die beste saisonübergreifende Platzierung seit… ach, lassen wir das einfach. Die Kickerstecktabelle (gibt es die eigentlich noch?) würde ich trotzdem noch nicht aufhängen. Aber was nicht ist, das kann ja noch und man fragt sich zurecht:
Geht’s jetzt los?

Raute mit Pizza

Mehr als nur vielversprechend war auf jeden Fall Comeback Nummer 1, der Auftritt von Claudio Pizarro. So gelang ihm nicht nur das Kunststück, sein schlitzohriges Traumtor aus der letzten Saison gegen Hoffenheim buchstäblich zu kopieren, auch war er jederzeit anspielbar und ein permanenter Gefahrenherd. Kein Wunder also, dass Thomas Schaaf auf die tiefsinnige Frage eines Journalisten, welche Bedeutung Pizzaro denn für Werder hätte, in seiner typischen, leicht genervten Art zurück fragte: „Ist kaum auf aufgefallen, oder?“ Den durch die Frage ausgelösten Anflug von Verägerung kann ich dabei durchaus verstehen: im Unterton schwang so ein wenig die Frage mit, ob der gestrige Sieg nur der Rückkehr des Peruaners zuzuschreiben sei. Ganz sicher nicht.

Das bringt uns zum Comeback Nummer 2, das für deutlich mehr Stabilität in der Abwehr sorgte: die Raute ist wieder da! Oder zumindest ein System, dass der typischen Aufteilung der letzen Jahre schon sehr nahe kommt. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet – und Özil zu wenig zugetraut? Eigentlich sollte es mich nicht mehr überraschen, aber seine Entwicklung erstaunt mich trotzdem immer wieder aufs Neue und so konnte er gestern auch als zentraler Spielgestalter überzeugen.

Standards und die Einstellung

Der verschossene Elfmeter? Schwamm drüber Ist mir völlig wumpe. Von viel entscheidenderer Bedeutung sind die anderen Standards. Ich mag es falsch in Erinnerung haben, aber in der letzten Saison strahlten wir im Großen und Ganzen nur bei direkten Freistößen Gefahr aus. Was vor allem Mesut allerdings bisher an ruhenden Bällen in den Strafraum gebracht hat, könnte sich in meinen Augen im weiteren Verlauf dieser Saison noch als äußerst wichtig erweisen: Standards können ganze Spiele entscheiden – vor allem wenn es mal nicht so gut läuft.

Was mich neben den Standards und der Systemfrage (die man prinzipiell nicht überbewerten sollte) aber am Meisten gefreut hat, war die Laufbereitschaft. Klar haben wir gegen, zumindest gestern, äußerst schwache Fohlen gespielt. Aber es kommt auch immer darauf an, was man zulässt. Siehe Aktobe. Gestern hat die Einstellung wieder gestimmt, ähnlich wie gegen Union Berlin. Die übrigens weit mehr auf dem Kasten haben, als es in der ersten Pokalrunde den Anschein erweckte. Das zeigt die aktuelle Tabelle der zweiten Liga und freut mich nebenbei auch.

Im Einzelnen

Aber zurück zu Werder. Spielernoten werde ich nicht vergeben, das hat die Kreiszeitung schon getan und kommt im Großen und Ganzen zum gleichen Ergebnis wie die gesammelten Meinungen im Worum. Leistungsträger waren demnach und wie zu erwarten Naldo, Özil und Pizarro; Wiese zudem die wenigen Male hellwach, die er gebraucht wurde. Außen zeigten sich Fritz und Boenisch leicht verbessert, gleiches gilt für Boro und vor allem Marin. Frings konnte sich nach seiner äußerst schwachen Partie gegen Aktobe ebenfalls steigern, wirkt aber meiner Meinung nach nicht frei im Kopf. Lutscher, sch**ß doch mal auf die blöde Nationalmannschaft! Interessiert mich momentan eh nicht die Bohne, was der Stuttgarter, pardon, Schwabe, Badener! (danke Tobias) und sein Gefolge zurzeit so machen.

Bleibt nur noch das Sorgenkind, Aaron Hunt. Machen wir es kurz: Das war nichts gestern. Die Pfiffe, von denen zu lesen war, müssen trotzdem nicht sein. Das macht man vielleicht woanders, aber an der Weser hat das nichts zu suchen. Ändert jedoch leider nicht die Tatsache, dass Aaron momentan im Sturm nichts verloren hat. Nach hinten hat er zwar ganz gut gearbeitet, aber dafür ist in erster Linie das Mittelfeld zuständig. Doch auch dort sehe ich Andere zurzeit klar vorne. Und im Sturm möchte ich nächstes Mal lieber wieder Hugo von Beginn an sehen. Oder Maxi Lopez. Kleiner Scherz.

Fazit

Um es mit Schaaf zu sagen: Wir haben uns gut präsentiert, ohne viel mehr als nötig anzubieten. Ich finde: Das reicht für’s Erste auch völlig aus. Unter dem Strich steht vor allem, endlich (endlich!) mal ein Sieg gegen einen der vermeintlich Kleinen, den man ruhigen Gewissens unter der Rubrik souverän ablegen kann. Keine Gala, aber auch kein Zittern und vor allem kein Zirkus. Stattdessen eine in der Defensive größtenteils geschlossene Leistung und nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ein ganz passables Spiel in der Offensive. Alles kein Grund zur Euphorie, aber definitiv ein Schritt nach vorne. Oder um sich auf Zeiglers allseits bekannte wunderbare Fußballwelt zu beziehen: Schaaf hat im Spiel gegen Aktobe zwar den Kopf gewechselt, aber ganz offensichtlich nicht verloren.


Werder hat heute spielfrei und muss, oder vielmehr und hoffentlich, darf morgen gegen Gladbach ran. Da bleibt ein wenig Zeit, sich Gedanken über den Saisonstart zu machen. Und sich darüber zu wundern, wie schnell und wie schlecht die Lage nach gerade mal vier Spielen beurteilt wird. Mancherorts hat man gar das Gefühl, die Saison sei schon gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Gleichzeitig bilden sich zwei Lager, die entweder unterhalten werden wollen oder nur auf das Ergebnis Wert legen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen, weshalb die Meisten auch noch nicht so recht wissen, was davon nun zu halten ist. Mich eingeschlossen. Dafür ist es nämlich auch noch viel zu früh. Finde ich. Aber der Reihe nach.

Die letzte Saison

Die Diskussion um die Bewertung der aktuellen Lage ist zweifellos ein Erbe der letzten Saison. Pokal hui, Bundesliga pfui. Ich für meinen Teil habe einen Teil der Samstagnachmittage fluchend verbracht, dabei ist mir vor allem das Spiele gegen Bielefeld schmerzlich lieber nicht viel in Erinnerung geblieben. Aber wenn ich an diese unglaublichen, wahnsinnigen, unvergesslichen Nordderbys denke: wie soll ich da mit der Saison unzufrieden sein? Was zählt, ist das, was bleibt.

Bei mir bleiben in erster Linie zwei Endspiele, ein Titel, ein endlich wieder grün-weißer Marktplatz, ein 100m Sprint von Wiese, ein genialer Abschied von Baumi und neben einer göttlichen Papierkugel auch durchaus ein paar sehenswerte Spiele in der Bundesliga. Da kann ich insgesamt nicht unzufrieden sein. Zumal die Saison mit großer Wahrscheinlichkeit die aus finanzieller Sicht erfolgreichste Saison überhaupt war.

Man mag mir Anspruchslosigkeit unterstellen. Aber wer das ernsthaft möchte, wird bei einem anderen Verein vielleicht glücklicher. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass andere und vor allem vermögendere Bekannte gar keinen Titel geholt haben – und in dieser Sekunde genau dort weiter machen, wo sie letzte Saison aufgehört haben. Aber bleiben wir an der Weser und dort kann man vielleicht nicht wunschlos glücklich sein – aber ganz sicher zufrieden.

Die Transferperiode

Keine leichte Aufgabe. Neben den (vorläufigen) Abgängen von Diego und Pizarro galt es auch, was gerne vergessen wird, Baumi zu ersetzen. Zusätzlicher Bedarf bestand bzw. besteht meiner Meinung nach zudem auf den Außenpositionen in der Defensive und, aufgrund einer insgesamt durchwachsenen Saison von Hugo aber vor allem von Rosi, in der Breite im Sturm.

Mein früh geäußerter Wunsch lautete: Pizza Boro. Ich erntete häufig Unverständnis. Nach mehreren Hängepartien konnte dennoch kulinarischer Vollzug gemeldet werden: Pizarro ersetzt sich selbst und Boro übernimmt im neuen System in etwa die Rolle von Baumi. Zusätzlich fanden Moreno (frühzeitig) und Marin (nach einigem Hin und Her) den Weg an die Weser.

Für ein abschließendes Fazit ist es sicherlich noch viel zu früh. Aber zumindest das erworbene Potential und der dafür getätigte Aufwand lassen sich bewerten. Vielleicht sogar ein wenig mehr. Denn Pizza war im Grunde nie weg und in der letzten Saison einer der wichtigsten Leistungsträger. Auch Boro macht insgesamt von Anfang an den Eindruck, als hätte es seinen Ausflug nach München nie gegeben. Blieben noch Moreno und Marin. Ersterer hat gegen Union sein Potential definitiv angedeutet, mehr lässt sich einfach noch nicht sagen. Bei Marin kann ich den Gedanken an die hohe Ablöse noch nicht so ganz abschütteln, bin aber froh, dass es schon diesen Sommer mit dem Wechsel geklappt hat.

Ein Kaninchen für Klaus?

Ein Kaninchen für Klaus?

Unter dem Strich also zwei etablierte Kräfte, viel Potential im offensiven Mittelfeld und ein erfolgsversprechender Stürmer. Gesucht wurde Folgendes: ein Ersatz für Pizzaro (Pizarro selbst), mehr Qualität in der Breite im Sturm (Moreno), ein Nachfolger für Baumis Rolle (Boro) und, nun wird es etwas komplizierter, ein Weg Diegos Abgang zu kompensieren. Ich denke ein umgestelltes System im Mittelfeld mit Özil und Marin als Kreativabteilung ist der richtige Weg, wird aber sicherlich ein wenig Zeit brauchen.

So wurden insgesamt also etwa 18 Millionen Euro investiert. Ein für Werders Verhältnisse sicherlich hoher Betrag. In Anbetracht der nun auch in der Bundesliga explodierenden Ablösesummen allerdings alles andere als ausufernd. Im Gegenzug hat man das Potential erworben, alle Abgänge kompensieren zu können. Einzig auf der defensiven Außenposition müssen wir wohl damit leben, dass der Markt derzeit nicht mehr hergibt. Es sei denn Klaus Allofs zieht noch ein Kaninchen aus dem Hut. Dann wäre es eine hervorragende Transferperiode. Da ich aber beim besten Willen kein Kaninchen entdecken kann, wird es wohl bei einer in meinen Augen sehr ordentlichen Transferperiode bleiben.

Der Saisonauftakt

Auch wenn dieser Eintrag im allgemein um sich greifenden Pessimismus einen anderen Eindruck erwecken mag: ich bin kein unabänderlicher Optimist. Aus diesem Grund war das erste Spiel der neuen Saison bei Eisern Union eine faustdicke Überraschung für mich. Nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem die Art und Weise, wie es zustande gekommen. Werder war von der 1. Minute an voll da, nah am Mann, bis auf eine kurze Phase hellwach in der Abwehr und konsequent im Spiel nach vorne. Gegen einen Gegner, der auf dem Papier ganz sicher kein leichtes Los war. Aber Berlin erwies sich aller Fragezeichen zum Trotz erneut als richtig gutes Pflaster für den SVW.

Gastspiel bei Eisern Union (Foto: Danke Jani!)

Gastspiel bei Eisern Union (Foto: Danke Jani!)

Mit dem Sieg in der 1. Pokalrunde stiegen gleichzeitig die Erwartungen: sollte das Team in der Lage sein, dieses Jahr in allen drei Wettbewerben zu überzeugen? Die Antwort auf diese Frage lieferte zunächst das bis auf wenige Ausnahmen (Özil, Sanogo) völlig verkorkste Spiel gegen Frankfurt, das auf fatale Weise an die schlechten Spiele der letzten Saison erinnerte und so ziemlich das Gegenteil des Spiels gegen Union darstellte: unkonzentriert, zu weit weg vom Gegner, Tiefschlaf in der Abwehr und größtenteils uninspiriert im Spiel nach vorne. Insbesondere Naldo fehlte an allen Ecken und Enden, womit sich das völlige Fehlen von Ordnung in der Defensivarbeit allerdings nur bedingt erklären ließ. Insbesondere stellte sich auch mir die Frage: Warum schafft Werder es seit Jahren nicht, eine disziplinierte Ordnung in die Abwehr zu bekommen? Trotz großartiger Spieler wie Naldo und Merte?

Das Spiel bei den Großkopferten in München lieferte keine konkrete Antwort auf diese Frage, stellte aber erneut die Erwartungen auf den Kopf. Werder stand äußert diszipliniert in der Abwehr – wenn auch zugegebener Maßen nahezu ständig mit zehn Mann. Fast fühlte man sich in die Zeiten der kontrollierten Offensive zurück versetzt. Das Spiel löste bei mir eine seltsame Mischreaktion aus: Einerseits hämische Genugtuung angesichts der frustriert-hilflosen Angriffsversuche der Bayern – eine Situation, die man nur zu gut aus grün-weißer Perspektive kennt. Andererseits begann ich mich zu fragen, ob nun das Ende des hanseatischen Hurra-Fußballs eingeläutet werden würde. Die bereits erwähnte Häme und der perfekt vorgetragene Führungstreffer täuschten jedoch lange über diese Frage hinweg. Es bleibt ungeklärt, ob ein konsequenteres Ausnutzen der Kontergelegenheiten diese Frage endgültig verdrängt hätte. So aber blieb aufgrund der mangelhaften Offensivleistung ein fader Beigeschmack.

Jegliche Spekulationen, ob und wie die defensive Ausrichtung auch gegen „kleinere“ Teams funktionieren würde oder ob nun prinzipiell aus einer sicheren Deckung heraus gespielt wird, erledigten sich bereits im nächsten Spiel gegen die allerhöchstens zweitklassigen Gäste aus Aktobe. Zwar bot Thomas Schaaf nur einen nominellen Stürmer auf, das anschließende Spektakel hatte allerdings mit der sich im letzten Spiel abzeichnenden kontrollierten Offensive nur wenig gemein. Vor allem hinsichtlich der Kontrolle. Stattdessen sahen wir eines dieser Spiele, die man getrost unter der Rubrik alberner Zirkus ablegen darf oder etwas wohlwollender unter Karneval einordnen kann. Um das Positive heraus zu heben: die Gruppenphase der Euroliga ist so gut wie erreicht und auf Naldo, Rückkehrer Pizarro und vor allem Özil werden wir uns diese Saison verlassen können.

Ruhe bewahren

Boro hat es in einem Interview mit dem Kicker bereits angesprochen: „Alles wird schlechtgeredet. Es herrscht ein anderes Klima in Bremen.“ Ganz Unrecht hat er damit sicherlich nicht. Nur frage ich mich: Warum wird eigentlich alles so schlecht geredet? Die letzte Saison war trotz der verkorksten Bundesliga unter dem Strich erfolgreich. So holte man nach fünf Jahren wieder einen Titel nach Bremen, gleichzeitig stand man nach 17 (!) Jahren zum zweiten Mal in einem europäischen Endspiel.

Nun befindet sich die Mannschaft nach einer größtenteils wunschgemäß verlaufenen Transferperiode im Umbruch: zum ersten Mal nach vielen Jahren mit der Raute wird das System im Mittelfeld umgestellt. Die nach dem Pokalsieg in der ersten Runde aufkeimende Hoffnung, dass die Umstellung schon vollzogen sein könnte, wurde leider direkt im nächsten, sehr enttäuschenden Pflichtspiel im Keim erstickt. Darauf folgten zwei Spiele, die zwar einiger Maßen erfolgreich waren, aber vor allem in der Spielanlage kaum gegensätzlicher sein könnten. Eine klare Struktur war in beiden Partien ebenfalls nicht erkennbar.

Doch damit ist die Saison noch nicht gelaufen. Verrückt, ich weiß. Geben wir der Mannschaft ein wenig Zeit, das neue System und den richtigen Mittelweg zwischen Offen*- und Defensive zu finden. Das Potential, auch in dieser Saison wieder etwas zu erreichen, ist auf jeden Fall vorhanden. Und solange die Einstellung stimmt, wird sich der Rest schon finden. Für uns kann das nur eins bedeuten: Weniger meckern, mehr anfeuern. In diesem Sinne: Auf geht’s Werder, kämpfen und siegen!

* Der Zusammenhang zwischen „offen“ und „Offensive“ besteht offensichtlich auch in linguistischer Hinsicht, nicht nur auf dem Platz.


Noch knapp 4 Stunden bis zum Start in die neue UEFA-Cup, pardon, erste UEFA Europa League Saison. Nennen wir es mal ganz schlicht Euroliga. Alles gar nicht so einfach. Auf jeden Fall geht es immer noch um einen achtkantigen Pott ohne Henkel, der am 12. Mai des kommenden Jahres ganz in der Nähe vergeben werden wird.

Dieses Jahr hatten wir die Hand ja sozusagen schon an den nichtexistenten Henkeln, haben dann aber leider nicht richtig zugepackt. Aber lassen wir das. Ganz in der Nähe wäre sowieso schöner. Nachdem dort gespielt wurde, lässt es sich bekanntlich recht gut feiern. Der Pott wird auf diesem Blog übrigens bis auf weiteres das erste und letzte Mal zu sehen sein – der Aberglaube schreibt mit.

Zurück also zum heutigen Spiel und zum heutigen Gegner. FK Akobe. Der Weser-Kurier hatte ja bereits geahnt, dass es eine weite Reise werden könnte, dabei allerdings Perm im Ural auf dem Zettel gehabt. Es wurde Aktobe, was frei übersetzt soviel heißt wie „weißer Hügel“, in Kasachstan. Das liegt meiner Erkenntnis nach nun sogar noch weiter entfernt. Google Maps kennt sich dort offensichtlich auch nicht so gut aus, gibt aber immerhin die Entfernung mit 3289 km an. Nun wissen wir also auch, warum es im Gegensatz zum DFB-Pokal in der Euroliga ein Hin- und Rückspiel gibt.

Ansonsten sind Informationen zum FK Aktobe rar gesät. Auch bei einem der größten deutschen Sport-Magazine hatte man anscheinend keine große Lust, mehr als unbedingt nötig in Erfahrung zu bringen. Dreimaliger kasachischer Meister und einmaliger Pokalsieger, darf das Weiterkommen in der ersten Runde der Champions League Qualifikation wohl noch als größter Vereinserfolg gewertet werden. Fast wäre dieser Erfolg in der zweiten Runde noch getoppt worden. Aber eben nur fast.

Stattdessen brachte man nach 0-0 im Hinspiel das Kunststück fertig, im Rückspiel bei Maccabi Haifa eine komfortable 3-0 Führung noch aus der Hand zu geben und mit einem 3-4 die Heimreise anzutreten. Ein Gefühl, dass der RSC Anderlecht in ähnlicher Gestalt aus dem Weserstadion kennen dürfte. Anderlecht gingen damals 3 Punkte durch die Lappen, Aktobe schied dagegen aus und versucht sich nun mit ihrem Kapitän Samat Smakov, Kazachstans Fußballer des Jahres 2008, erneut daran, den bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu toppen.

Laut goal.com stehen die Chancen für dieses kasachische Unternehmen allerdings eher schlecht: dort tippt man auf 4-0 für Werder. Ich dagegen tippe gar nichts, gehe aber ehrlich gestanden auch davon aus , dass sich der weiße Hügel nicht als Pasching, pardon, Stolperstein erweist. Anpfiff ist um 21 Uhr und wenn die Zehnkämpfer bei ihrem 1500m Lauf im Berliner Olympiastadion Tempo machen, sollte das ZDF gegen Mitte der ersten Halbzeit den Weg ins Weserstadion gefunden haben.

Und zum Abschluß, weil es rein gar nichts mit dem heutigen Spiel zu tun hat einfach so schön war, Otto, Kiwi & der königliche Besuch aus Belgien oder: der Fußballgott muss ein Bremer sein.


Aberglaube

12Aug09

Nun also. Der erste Eintrag im Blog der Papierkugel Gottes. Nicht als Papierkugel. Die liegt schließlich friedlich im Wuseum und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Eigentlich wollte ich dieses Blog noch vor dem ersten Spieltag aufsetzen. Eigentlich.

Dann habe ich es aufgeschoben. Aus Zeitgründen. Mit einem schlechten Gewissen. Denn der kleine grün-weiße Mann in meinem Kopf namens Aberglaube war sich die ganze Zeit sicher: „Das wird nicht gut enden, an dein Vorhaben musst du dich schon halten.“ So kam es wie es kommen musste, auch Werder hat sich nicht an sein Vorhaben gehalten.

Nun leiste ich dem kleinen grün-weißen Mann in meinem Kopf Abbitte und starte dieses Blog vor dem nächsten Spieltag. Denn so eine Saison geht ja eigentlich immer meistens erst mit dem Spiel gegen die Großkopferten aus dem Süden so richtig los. So wie im letzten Jahr. Auch wenn es dann in der Bundesliga nur für eine Weile so richtig los ging. Aber genug davon.

Für’s Erste und für dieses Jahr bin ich jedenfalls zuversichtlich, dass wir uns in München nicht wieder zwei Gegentore fangen. Der zweifache (Gegen-)torschütze des vergangenen Jahres und verlorene Sohn ist schließlich wieder zurück gekehrt.




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