Spielbericht Gladbach (H): Das doppelte Comeback

24Aug09

Schöner Spieltag, Aufwärtstrend klar erkennbar und die ersten 3 Punkte eingefahren. Da schreibt es sich doch gleich viel leichter und man darf nach einer gefühlten Ewigkeit sogar mal wieder einen Blick auf die Tabelle wagen. Die beste saisonübergreifende Platzierung seit… ach, lassen wir das einfach. Die Kickerstecktabelle (gibt es die eigentlich noch?) würde ich trotzdem noch nicht aufhängen. Aber was nicht ist, das kann ja noch und man fragt sich zurecht:
Geht’s jetzt los?

Raute mit Pizza

Mehr als nur vielversprechend war auf jeden Fall Comeback Nummer 1, der Auftritt von Claudio Pizarro. So gelang ihm nicht nur das Kunststück, sein schlitzohriges Traumtor aus der letzten Saison gegen Hoffenheim buchstäblich zu kopieren, auch war er jederzeit anspielbar und ein permanenter Gefahrenherd. Kein Wunder also, dass Thomas Schaaf auf die tiefsinnige Frage eines Journalisten, welche Bedeutung Pizzaro denn für Werder hätte, in seiner typischen, leicht genervten Art zurück fragte: “Ist kaum auf aufgefallen, oder?” Den durch die Frage ausgelösten Anflug von Verägerung kann ich dabei durchaus verstehen: im Unterton schwang so ein wenig die Frage mit, ob der gestrige Sieg nur der Rückkehr des Peruaners zuzuschreiben sei. Ganz sicher nicht.

Das bringt uns zum Comeback Nummer 2, das für deutlich mehr Stabilität in der Abwehr sorgte: die Raute ist wieder da! Oder zumindest ein System, dass der typischen Aufteilung der letzen Jahre schon sehr nahe kommt. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet – und Özil zu wenig zugetraut? Eigentlich sollte es mich nicht mehr überraschen, aber seine Entwicklung erstaunt mich trotzdem immer wieder aufs Neue und so konnte er gestern auch als zentraler Spielgestalter überzeugen.

Standards und die Einstellung

Der verschossene Elfmeter? Schwamm drüber Ist mir völlig wumpe. Von viel entscheidenderer Bedeutung sind die anderen Standards. Ich mag es falsch in Erinnerung haben, aber in der letzten Saison strahlten wir im Großen und Ganzen nur bei direkten Freistößen Gefahr aus. Was vor allem Mesut allerdings bisher an ruhenden Bällen in den Strafraum gebracht hat, könnte sich in meinen Augen im weiteren Verlauf dieser Saison noch als äußerst wichtig erweisen: Standards können ganze Spiele entscheiden – vor allem wenn es mal nicht so gut läuft.

Was mich neben den Standards und der Systemfrage (die man prinzipiell nicht überbewerten sollte) aber am Meisten gefreut hat, war die Laufbereitschaft. Klar haben wir gegen, zumindest gestern, äußerst schwache Fohlen gespielt. Aber es kommt auch immer darauf an, was man zulässt. Siehe Aktobe. Gestern hat die Einstellung wieder gestimmt, ähnlich wie gegen Union Berlin. Die übrigens weit mehr auf dem Kasten haben, als es in der ersten Pokalrunde den Anschein erweckte. Das zeigt die aktuelle Tabelle der zweiten Liga und freut mich nebenbei auch.

Im Einzelnen

Aber zurück zu Werder. Spielernoten werde ich nicht vergeben, das hat die Kreiszeitung schon getan und kommt im Großen und Ganzen zum gleichen Ergebnis wie die gesammelten Meinungen im Worum. Leistungsträger waren demnach und wie zu erwarten Naldo, Özil und Pizarro; Wiese zudem die wenigen Male hellwach, die er gebraucht wurde. Außen zeigten sich Fritz und Boenisch leicht verbessert, gleiches gilt für Boro und vor allem Marin. Frings konnte sich nach seiner äußerst schwachen Partie gegen Aktobe ebenfalls steigern, wirkt aber meiner Meinung nach nicht frei im Kopf. Lutscher, sch**ß doch mal auf die blöde Nationalmannschaft! Interessiert mich momentan eh nicht die Bohne, was der Stuttgarter, pardon, Schwabe, Badener! (danke Tobias) und sein Gefolge zurzeit so machen.

Bleibt nur noch das Sorgenkind, Aaron Hunt. Machen wir es kurz: Das war nichts gestern. Die Pfiffe, von denen zu lesen war, müssen trotzdem nicht sein. Das macht man vielleicht woanders, aber an der Weser hat das nichts zu suchen. Ändert jedoch leider nicht die Tatsache, dass Aaron momentan im Sturm nichts verloren hat. Nach hinten hat er zwar ganz gut gearbeitet, aber dafür ist in erster Linie das Mittelfeld zuständig. Doch auch dort sehe ich Andere zurzeit klar vorne. Und im Sturm möchte ich nächstes Mal lieber wieder Hugo von Beginn an sehen. Oder Maxi Lopez. Kleiner Scherz.

Fazit

Um es mit Schaaf zu sagen: Wir haben uns gut präsentiert, ohne viel mehr als nötig anzubieten. Ich finde: Das reicht für’s Erste auch völlig aus. Unter dem Strich steht vor allem, endlich (endlich!) mal ein Sieg gegen einen der vermeintlich Kleinen, den man ruhigen Gewissens unter der Rubrik souverän ablegen kann. Keine Gala, aber auch kein Zittern und vor allem kein Zirkus. Stattdessen eine in der Defensive größtenteils geschlossene Leistung und nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ein ganz passables Spiel in der Offensive. Alles kein Grund zur Euphorie, aber definitiv ein Schritt nach vorne. Oder um sich auf Zeiglers allseits bekannte wunderbare Fußballwelt zu beziehen: Schaaf hat im Spiel gegen Aktobe zwar den Kopf gewechselt, aber ganz offensichtlich nicht verloren.



3 Antworten auf „Spielbericht Gladbach (H): Das doppelte Comeback“

  1. Ich habe das Gladbach-Spiel nicht gesehen, aber ich finde es schon komisch, dass jeder bei Werder eine Raute gesehen hat – bis auf Thomas Schaaf: http://www.kreiszeitung.de/sport/fussball/werder-bremen/altes-system-neue-perspektive-452764.html

    Und trotz Wut auf den Bundestrainer: Joachim Löw ist Badener, kein Schwabe!

    Ansonsten bislang ein sehr schönes Blog, macht Lust auf mehr!

  2. 2 arne.gerdes

    Moin,

    und danke für den Kommentar. Der Schwabe ist nun wieder ein Badener. Das hätte auch ins Auge gehen können, in der Hinsicht ist man dort ja bekanntlich etwas empfindlich.

    Von Wut auf den Bundestrainer kann ich allerdings gar nicht sprechen. Ich habe schlicht und einfach das Interesse verloren und kann nicht einmal genau sagen warum – an der Personalie Frings liegt es nur bedingt und wenn überhaupt. Eines stimmt jedoch: die Sympathiewerte des Bundestrainers und seines Teams sind bei mir ziemlich in den Keller gegangen.

    Interessanter Artikel übrigens, den hatte ich noch gar nicht gelesen. Kreiszeitung bekomme ich nur bei meinen Eltern in der Heimat, ich muss mir mal die Online-Ausgabe in den Reader packen. Zur Systemfrage trifft es vermutlich Allofs Aussage am Ende des Artikels am Besten: “Das wird überbewertet.” Trotzdem bleibt auffällig, dass Özil eine zentralere Rolle als bislang übernommen und hervorragend gelöst hat.

    Danke auch für das allgemeine Feedback! Das gebe ich gerne zurück und wenn ich solange dabei bleibe wie du, dann hat es sich gelohnt. Momentan muss ich mich allerdings auf meine Diplomarbeit konzentrieren aber danach bleibt sicher mehr Zeit für die Papierkugel Gottes. Genug zu schreiben gibt’s ja schließlich immer.

  3. Ja, die Badener/Schwaben sind da etwas eigen. Stimme dir ansonsten übrigens zu, dass sich Frings davon frei machen und endlich wieder konstant gute Leistungen bringen sollte. Momentan kann er nicht ernsthaft ständig nach einer Nominierung schreien.

    Vielleicht liegt das mangelnde Interesse auch daran, dass die Nationalmannschaft seit fast einem Jahr kein gutes Spiel mehr gemacht hat?

    Die Systemfrage halte ich nicht für überbewertet, ganz im Gegenteil, aber es wird immer nur von Doppelsechs und Raute gesprochen. Das ist natürlich stark vereinfacht. Werder hat die Raute schon sehr unterschiedlich ausgelegt und gleiches kann man nach den Spielen gegen Frankfurt und Bayern auch schon von der Doppelsechs sagen. Wie Thomas Schaaf sagt: Es sind oft die kleinen Änderungen, die große Auswirkungen haben.

    Auch dir danke für das Feedback. Das Problem Diplomarbeit hab ich zum Glück schon hinter mir. War auch bestimmt kein Zufall, dass ich erst danach wieder mit dem Bloggen angefangen habe. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Energie, um das beides unter einen Hut zu bekommen!


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